Die Arbeit mit Geflüchteten macht das Reisen verzichtbar

Videojournalistin und Moderatorin

Die Arbeit mit Geflüchteten macht das Reisen verzichtbar

August 30, 2021 Uncategorized 0

Barbara Müller bringt bei HelloWelcome die verschiedensten Personen zusammen. Weshalb ihr Job so erfüllend ist und wieso die Arbeit mit geflüchteten gerade jetzt wieder an Bedeutung gewinnt.

Angekommen beim Treffpunkt des Vereins HelloWelcome in Luzern öffnet Barbara Müller die Türe. Es ist ein Ort der Begegnungen, bei dem sich einheimische und geflüchtete Menschen austauschen und voneinander lernen. Barbara ist  Koordinatorin und Geschäftsleitungsmitglied dieses nicht-konfessionellen Vereins.

Kaum sind die Stufen in den ersten Stock überwunden, erblickt man einen Saal gefüllt mit Menschen unterschiedlicher Herkunft. Barbara ist ständig auf Zack. Mal am Telefon, mal in eine Diskussion mit dem Techniker verwickelt. Irgendwas stimmt mit der automatischen Türe nicht. Seit dem Umzug des Vereins vor zwei Wochen gibt es hie und da noch einige Tücken. Mit ein Grund weshalb es sowas wie einen “normalen Arbeitstag” bei Barbara nicht gibt.

Im Video stellt sie ihre Arbeit als Koordinatorin vor und erzählt von den schönen, wie auch den Schattenseiten ihres Alltags.


Der Verein HelloWelcome wurde 2015 als Reaktion auf die Flüchtlingsströme ins Leben gerufen. Seither können sich Geflüchtete, Migrant*innen und Einheimische jeweils von Montag bis Donnerstag zwischen 14 Uhr und 18 Uhr treffen. Die einen kommen zum lesen, andere benötigen Hilfe beim Ausfüllen eines Dokumentes und wieder andere trinken gemeinsam einen Kaffee.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geboren am 1. Januar

So konkret hat die 56 jährige Zürcherin noch nie an einer Basis gearbeitet. Auch wenn sie schon Menschenrechts- und Friedensarbeit gemacht hat – mitunter in Guatemala – erst jetzt bekommt sie die Entwicklung der Menschen so richtig mit. Genau dies ist ihre Motivation am Morgen aufzustehen und ihrer Tätigkeit nach zu gehen. Die Begegnungen mit Menschen seien das Allerschönste. Gerade zu Beginn der Pandemie und den damit verbundenen Restriktionen pflegte sie zu sagen: “Ich muss nicht reisen, die Welt kommt zu mir.”

Was Barbara damit meint, erfährt man bei einem Besuch bei HelloWelcome sehr schnell. Kaum im Raum, wird man schon angesprochen. Respektvoll und offen begegnen sich die Menschen hier.
Einer der gerade nach Hilfe fragt, ist Hassan. Der gelernte Coiffeur bewirbt sich als Logistiker und sucht nun seine Zeugnisse zusammen. Er möchte eine neue Herausforderung, denn das Coiffeur-Business kenne er langsam. Seit sieben Jahren ist Hassan in der Schweiz. Er schwärmt von HelloWelcome, denn dadurch hat er schon viele Freundschaften geschlossen. Einer Freundin hat er sogar etwas Arabisch beigebracht. Er lächelt. In seinem Lebenslauf steht – wie bei so vielen anderen – das Geburtsdatum 01.01.1990. Weshalb dem so ist, erfährst du, wenn du aufs Bild unten rechts klickst. “Meine Mutter war Analphabetin. Ich bin froh, dass ich es nicht bin und ich hoffe, meiner Kinder werden es auch nicht sein”, erzählt Hassan.

“Die Welt gehört von allen”

Zurück zu Barbara. Sie arbeitet gerade mit jemandem ein Dokument durch. Später erklärt sie, was das Schwierigste an ihrem Jobs ist. “Menschen sagen zu müssen, dass sie keine Chance haben, gewisse Dinge zu erreichen. Ein Beispiel sind Familiennachzüge, die verweigert werden.”

Als Symbol für ihre Arbeit hält die Koordinatorin ein Schild in die Höhe. “Die Welt gehört von allen”, ist darauf zu lesen. “Dies ist ein Überbleibsel einer Demo, bei der es darum ging, dass sich die Schweizer Asylpolitik etwas freundlicher zeigen sollte”, so Barbara. “Mir gefällt der Spruch, denn auf der einen Seite ist es eine Art, Recht einzufordern und auf der anderen Seite ist es ein Appell an uns privilegierte Menschen, dass die Welt nicht nur uns gehört, sondern allen.

 

 

Gerade jetzt zeigt sich die Wichtigkeit dieses Begegnungsortes wieder.  Fast täglich gibt es Anfragen von Afghan*innen. “Hierbei ist es besonders wichtig, dass man die Menschen ernst nimmt, genügend Zeit einplant und Hilfesuchende nicht einfach mit irgendwelchen Infos abspeist”, weiss die Koordinatorin. Die Gesellschaft müsse sich nun solidarisch zeigen, insbesondere auf politischer Ebene. Wer im kleinen etwas bewirken möchte, kann sich aber auch als Freiwillige*r bei HelloWelcome beteiligen. Bedingung ist, den Menschen hier auf Augenhöhe begegnen zu wollen. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Kommen kann, wer Zeit und Musse dafür hat. 

Den Treffpunkt findest du hier: